ZERSPLITTERTER HORIZONT
Kunstverein Bellevuesaal, Wiesbaden
9. Februar–19. März 2023

Episode I – Selbstinduzierter Schwindel
9. Februar, ab 19 Uhr

Horizont I – Uneindeutiger Befund
10.–23. Februar

Episode II – Rauschhafte Fokussierung
24. Februar, ab 19 Uhr

Horizont II – Zwingende Muster
25. Februar–9. März

Episode III – Willkommene Mutationen
10. März, ab 19 Uhr

Horizont III – Ewige Unfertigkeit
11.–19. März

Während bisher die weitgehend gleichberechtigte Zusammenarbeit mit weiteren eingeladenen Künstlerinnen und Künstlern (samt herausfordernder Dynamik) den Gestaltungsprozeß prägte, wollen Stephan Engelke und Sven Fritz im dialogischen Eins-zu-Eins das Zusammenwirken am Bild vertiefen und verdichten. Dem Projektnamen entsprechend entwickeln sie einzelne künstlerische Personae, zu Figurenfiktionen verdichtete Spielmöglichkeiten, aus denen sich spezifische installative und klangliche Konstellationen ergeben.

Aus Gerüstmaterial, Bauholz, Geweben etc. entstehen Raum bildende oder ihn assoziativ aufladende Konstruktionen, werden transformiert und bewegen sich durch ihren Umbau im Raum oder machen durch Abbruch und Neukonstruktion Sprünge. So stecken sie zugleich ihr Spielfeld ab und strukturieren es: Markierungen und Projektionen konservieren als Spuren Informationen über vorherige Zustände. Mit Standort und Form wandelt sich aber auch ihre typologische Tendenz, ihr auf Nutzung bezogener Charakter: Floß, Rampe, Bühne, Unterstand, Behausung, Aussichtsplattform. Sie beherbergen in je eigener Weise elektronische und akustische Klangerzeuger, deren Hervorbringungen sich mit der Situation ändern, – oder diese motivieren ihrerseits eine räumliche Veränderung.

Den quasiallegorischen Hintergrund für die Gestaltungsprozesse bilden dabei Vorstellungen aus dem Feld der Identitätsbildung, der suchenden Entwicklung, die alle Kulturen genauso vollziehen wie die Individuen in ihnen. Diese lassen sich entlang einiger polarer Aspekte betrachten: Seßhaftigkeit / Nomadentum – Horizont / Standort – Ordnung / Entropie – Wiederholung / Variation – Ritual / Experiment – Schließung / Öffnung – Verdichtung / Auflockerung – Isolation / Vergemeinschaftung – Kohärenz / Zersplitterung.

Veränderungen vollziehen sich phasenweise während der Ausstellungszeit und kulminieren in Ereignisbildern, die wir während drei Episoden realisieren. Zu diesen können auch Gäste mit darstellenden und anderen künstlerischen Beiträgen eingeladen werden, welche wiederum per Aufzeichnung festgehalten und in verarbeiteter Weise in die Entwicklung des Raumbildes eingespeist werden.