PROJEKT

Während bei vielen üblichen Veranstaltungsformen, wie bei einer um Getränke und Musik erweiterten Ausstellungseröffnung, einem Konzert oder einem Club, die einzelnen Elemente oft weitestgehend additiv kombiniert werden und dadurch parallel zueinander stehen, ist das Ziel der Szenerien eine inhaltlich wie formal enge Verflechtung der einzelnen Komponenten zu einem Gesamtbild – einem Abend oder einer Nacht als Bild.
Der entscheidende Parameter hierbei ist das Verhältnis von Sache und Rahmung: unsere Intention ist die Dehierarchisierung im Arrangement, die Neuformulierung oder sogar Auflösung der Kategorien von Anlass einerseits und Begleitumstand andererseits, keine Trennung – ob gewollt oder nicht – von Kulturprogramm und Divertissement, Kunst als dem Eigentlichen und Musik als Stimmungsdienstleister.
Konzeptuell verbinden die Szenerien so Aspekte von Environment, theatraler Inszenierung, Performance und Clubkultur (Interessant ist und bleibt der Club vor allem wegen seines Potentials, ein Raum für das Andere zur Gesellschaft zu sein, und ein Raum mit starker bildhafter Dimension!)
Bereits 2015 in einer Ausstellungsreihe unter dem Titel ad lib. (www.polypolis.org) kamen bei der Konstellation der Ausstellungsstücke und der musikalischen Performances dem Raum und dem Abend als Bild gesteigerte Bedeutung zu. Über einen Zeitraum von acht Wochen wurden in 13 Ausstellungssettings für je nur einen Abend konkrete Werke zu Raum- und Geschehnisbildern gefügt, die in der Abfolge ihrer Charaktere wiederum eine Art Dramaturgie bildeten.

TRICKSTER

Das kulturhistorische Feld des Gesamtkunstwerks ist sicherlich kein ungefährliches, es hat schon einige kuriose Blüten getrieben, Allmachtsfantasien und synästhetisch-esoterische Scharlatanerien hervorgebracht. Den Risiken dieser Zielrichtung und der bewußt ergebnisoffenen Konzeption steht aber nicht nur der Intensitätsmehrwert entgegen; der besondere Reiz dieses Experiments liegt nicht zuletzt im (Gefahren-)Potential, darin, dass es so problematisch ist, dass es so schlüpfrig werden, so derbe schiefgehen kann.
Eben das ist der Boden, auf dem sich Trickster bewegt; das Alias, das über (oder unter) der ganzen Reihe steht, verkörpert als Figurenfiktion die risikofreudigen, sprunghaften, rollenspielerischen Aspekte und prägt so die gesamte Versuchsanordnung und die ihr zugrundeliegende Methode.

AUSBLICK – MÖGLICHE KÜNFTIGE KONZEPTE

Parallelenvironment als Grund- oder Teilkonzept

Elemente des Parallelenvironments inselhaft in eine Grundstruktur einführen, die einer abstrahierten, vereinfachten bzw. reduzierten Variante des Spiels bei „Leeres Feld“ entspricht.

Die von F. erbetene (wie auch immer) mathematische Formulierung (als Algorithmus?) der Spielidee, die der Düsseldorfer Szenerie zugrunde lag, als Skizze einer ​abstrakten Maschine(Deleuze/Guattari) [Automaten oder abstrakte Maschinen (abstract machines) sind theoretische Modelle von digitalen, zeitdiskreten Rechnern in der Automatentheorie]? Um was für eine Art von Maschine könnte es sich sonst handeln? (Handelt es sich überhaupt um eine Maschine im Verständnis von Deleuze/Guattari?)

Billboards mit Plakaten als Teil der Installation. Projektionsflächen. Motive: Bildmaterial und Collagen aus dem Fundus der Szenerien?

Ein fragmentarisch angedeuteter Club, eine Architektur in der Architektur.
Historisch konkrete Konstellationen (architektonische Rahmen für Gesamtkunstwerke) in Ausschnitten und skizzierend nachbauen.

Wie verteilt sich der Sound im NKR? Gibt es mehrere Quellen, die interferrieren? Oder schafft man akustisch getrennte Räume?

(Größtenteils) zusammenhängende Konstruktion aus Gersütelementen und anderen Materialien, überwiegend eher luftig skizzenhaft, hie und da (inselhaft) sich skulptural verdichtend. Dort möglicherweise Verbindung von gefundenem Material (Objets trouvés, Präfabriziertes) mit Selbst-Geformtem.

Gerüstkonstruktionen, die durch die Fensterfront unterbrochen werden, also, andersherum, Innen- und Außenraum … Die Nummer eben.
Aber (selbst-)kritisch: keine falschen Verschmelzungen von privat und öffentlich.

Öffentlich ist der Raum ja auch drinnen (Ausstellungsraum). Nur um welche Art von Öffentlichkeit handelt es sich hier und dort, welche Arten des Aufenthaltes und der Betätigung scheinen jeweils angemessen?

Wie lassen sich diese letzteren verschieben oder erweitern?

Titel:
Selbstinduzierter Schwindel

Thematisches:
Einrichtung in der Welt durch alle Formen der Behausung: Unterschlupf, Weltbild, Selbstbild und -darstellung. Da gibt es genug Schwindelerregendes, besonders wenn man dem Artifiziellen, der Reduktion und der Verfremdung zuneigt.

Konstruktionen und Hilfskonstruktionen

Matrix, Kontaminationen, Interferenzen

Die Inseln könnten (auch) stationär den Szenerien gewidmet sein, als Bild-im-Bild. (Wie könnte sich das im Sinne des Mise-en-abyme weiterentwickeln?)

Momente des Schwindels:
„Die Mutmaßung ist der Schatten der Verzettelung. (Insofern die Extensivierung des Wissens die Intensivierung des Verstehens unterminiert.)“ [DU, 23.10.2018]
Der echte (philosophische) Skeptizismus als Abwärtsspirale in den Wahnsinn. Aber auch – schön. Wie mathematische Strukturen, Topologie, Graphen- und Kategorientheorie. Vielleicht wegen ihrer nur noch in Parsecs zu messenden Distanz zur Schmalzstulle.

Verstärkung ankündigen? Trickster = {Engelke, Fritz, X}
Sollten wir uns nicht eher Gedanken darüber machen, ob und wie wir ein szenisches Bild selbständig formulieren (ausstatten) und umsetzen könnten (Performer, Darsteller, Komparsen und Handlanger blieben ja eine Option)?

Parallelenvironment

Laden(?), ein Environment zum Entdecken und Anschauen und Anfassen. Verschiedene (von eingeladenen Künstlern) ​wohl ausgewählte und komponierte​ Dinge (​Paralleles)​ kommen zusammen: Display/Installation, Bildkunst, Bücher, Kataloge, Plakate, Musik (live produziert, durch Dj oder Besucher aufgelegt), Mobiliar (?), Licht, Projektionen – Getränke; evtl. gibt es Vorträge, Lesungen oder irgendeine Art von Play.
→ Bezeichnung: Parallelenvironment

REFLEXIONEN UND MANÖVERKRITIK

Club und Musik:
Worauf kommt es bei einem Club an?
Bei der Musik stellt sich die Frage, wodurch in Bezug auf den Club ihr Horizont definiert wird. Welche Rolle spielt Tanzbarkeit, und wo sind ihre Grenzen? Wie komplex darf Musik sein, wie stark die bewußte Wahrnehmung einfordern, oder anders: kann man auch einen flacheren Flow-Zustand erzeugen?

Wieviel (stabilisierende) Klischees sind nötig (und welche)?

Abgrenzungen (Play vs. Club-/Partynacht) weiter reduzieren, Verschmelzungen forcieren. Mehr an geistiger und körperlicher Leichtigkeit (und damit Selbstverständlichkeit) bei den Transformationen der Installationen.

Aus einer anderen Perspektive stellt sich das Problem womöglich als eines der grundsätzlichen oder tendenziellen Unvereinbarkeit zweier Ansprüche dar: auf (kritisch-komplexe) thematisch-ästhetische Ganzheit des Gesamtkunstwerkes einerseits und auf auch Genuß ermöglichendes Ereignis andererseits. Es wäre denkbar, daß dieser Aspekt sogar die tendenziellen Schwierigkeiten des Publiklums (aber auch der Beteiligten), sich auf beides gleichermaßen einzulassen, erhellen kann.

Wieviel Platz verdient der Hedonismus?

SZENERIE I – LEERES FELD

Raum zum Rangieren
Wanderer
»Palace of Shift« / »Palazzo di (spostamento/)deriva« Die Unankommenden.
Praxeologie: Nichts ist je endgültig.
„Wir sind umgezogen.“
die andere Möglichkeit

tertium (comparationis) Derivation

the chance of instability
Go (— go, go!)
lost and recovered token
diegetische Lücken/Löcher
Diskretheit und Kontinuität
persistent but discontinuous mappingnondeterministic abstract machine unknown state space

Öffnungen [im Leben suchen:] zur Erweiterung, Verlagerung, oder einfach nur, um sich davonzustehlen.
in the midst of all …
everywhere but here

„Dysphorie: das Empfinden, daß die Dinge nicht da sind, wo sie hingehören“ R. Barthes: Das Neutrum. S. 279)
Das Wirkliche ist unzusammenhängend. Wir heften nur einzelne gesammelte Erinnerungsstücke an die Wand.
Wir als Litfaßsäulen
Es bleibt letztlich nur das Arrangement unseres individuellen und kollektiven Versagens.
Nimm das Gegebene, zerlege es, setze es wieder zusammen.
(Alain Robbe-Grillet: Der wiederkehrende Spiegel. S. 203:)
„Ein Text lebt dadurch, daß sich Löcher in seiner Struktur verschieben, genauso wie beim Go-Spiel ein Gebiet nur lebendig bleibt, wenn man dafür gesorgt hat, daß zumindest ein freier Raum, ein leeres Feld bleibt, was die Spezialisten ein offenes Auge oder auch eine Freiheit nennen. Wenn dagegen alle durch die sich kreuzenden Linien bestimmten Plätze mit Steinen besetzt sind, ist das Gebiet tot, und der Feind wird es durch eine einfache Umzingelung erobern.“

polytop (Heisenberg) Potentialis (Schrödinger) e. g. / for example

Derivation
[für Beschriftung von Modulen etc.:]
ver-, vor-, rück-, ab-, ent-, be-, fort-, hin-
ana-, allo-, para-, dia-, hyper-, hypo-, kata-, meta-
a-/ab-, ad- (ap-, ak-, af-, …), con- (co-, col-, com-, cor-), de-, ex- (e-, ef-), in- (il-, im-, ir-), inter-, per-, pro-,

trans-, ultra-

step –
first step, last step, next step

light step, heavy step
step forward/backward, step behind step change, process step

Bühne (Boxring?), Kulisse [frz. coulisse = Führungsschienen für Schiebewände], Masken, Ritual, Spiel (einzelne Sets und ihre Übergänge, Begegnung, Aushandlung), Regel, Regelbruch, Kampf, „Alice im Wunderland“ (Crocket-Spiel, das in jedem Augenblick seine Regeln und Zustände ändert), dynamischer, progressiver Algorithmus?; scene – obscene; Spannung des Leerraumes
Schiebepuzzle, Schiebewände, Fruchtwechsel (intensive vs. extensive Landwirtschaft); lattice void [unbesetzter Gitterplatz, Gitterdefekt]; Go-Spiel: Freiheit, offenes Auge; Gödelscher Unvollständigkeitssatz; Open-field-Problem: Angstminderung durch Begrenzung (Verwandtschaft von Künstler und Maus)

Nietzsche: Wanderer – Barthes: Drift – (geistig) in Bewegung bleiben. Bis zur Poriomanie? Dagegen: Bedürfnis nach Seßhaftigkeit, verläßliche Bezugspunkte. Bis zur Halsstarrigkeit?

Anhaltende Transformation und/oder Verschiebung
Spannung des Leerraumes
Gibt es einen Bühnenraum?

Alain Robbe-Grillet: Der wiederkehrende Spiegel. S. 210:
„[…]einem labyrinthischen System aus von Mondrian inspirierten ​Schiebewänden​, die auf parallel sich schneidenden, das ganze Set in Quadrate unterteilenden Schienen gleiten und deren Anordnung zwischen allen Einstellungen und manchmal sogar im Lauf der Aufnahmen geändert wird, so daß der Spielraum noch weniger starr ist.“

Statisten → besser: ​Spieler​?
Mikrofone im Raum, Verstärkung etc …

Choreografie für die Szenerie im ganzen?
→ Verschiebungen: ​Schiebepuzzle​, Robbe-Grillets Schiebewände
Es gibt zwei polare Anordnungen, Ausgangs- und Endstellung, die durch Inversion ineinander überführt werden können.
Zu Beginn könnte in der Mitte des Raumes folgendes Arrangement stehen: die skulpturalen Grundelemente mit mehr oder weniger deutlichem Bar-Fragment-Charakter sind recht kompakt aufgetürmt, eingeschlossen werden sie von allen Seiten durch Billboard-Konfigurationen aus Gerüstmaterial, mit teils transparenteren, teils opakeren Behängen mit plakativer Bemalung oder entsprechenden Projektionen.
Am Ende könnte folgende Anordnung erreicht werden:
Die aneinandergefügten unterschiedlichen Module bilden nun zusammen eine geschlossene Bar (Barrikade), die einen möglichst großen Teil des Raumes ausfüllt respektive abschließt, im Inneren befinden sich Gerüstkonfigurationen wie Flaschen- bzw. Gläserregale.
Zwischen diesen beiden Positionen werden die verschiedenen Elemente immer wieder verschoben (und umgebaut) und bleiben für begrenzte Zeit in diesen Zwischenzuständen stehen.

Wie schlägt man die Brücke zwischen Ausstellungs- und Barraum?

Bei aller spielerischen Offenheit immer wieder präzise (bildliche wie gedankliche) Fokussierungen vornehmen, klare bildhafte Setzungen schaffen.

SZENERIE II – AUSGEPRÄGTE SCHLAGSCHATTEN

Treibhaus
„Ich liebe diese pralle Sonne.“ / pralle Sonne
»Palazzo rovinato«
Gnade der Nutzlosigkeit
concrete and palms
Amperemeter mit geschupptem Stamm. – Palmen-Obsession. long term illusion
shadow blister effect
ruin porn
in your face
Blendung
appex dipping
artistic archipelago
spot checks
untergangsaffin
Sein Leben auf grobem Kies führen.

Aufbau, Umbau, Garten (urban gardening, Kistengärten), Treibhaus, Nebel, Transformation, Licht, Verdunklung?, Loop, Kippelemente, (Envelope Follower für Poem Automation?) Urlaubsimagination, kontrastierend mit ärmlicher materieller Umsetzung, die Touristen sind woanders, assoziative Verortung: irgendne griechische Insel, mexikanische Pazifikküste oder Apulien oder so; adriatische Tourismusmelancholie, schön schäbig, Charme architektonischer Halbherzig- oder Lustlosigkeiten, leider mehr Kies als Sand am Strand usw.

„[Ich sehe] von nichts sehe ich das Ganze.“ (Montaigne); Chiffren: nur Blitze (Strobo) und viel dunkel: ausgeprägte Schlagschatten. Reflex(e); Avantgarde oder Leben
»* Palazzo«, z. B. »Rotten Palazzo«; Inseln, Inseln der Nutzlosigkeit
Beobachtung, Perspektiven – gebrochene Perspektiven, Spiegelkabinett; scene – obscene

Insgesamt offene und durchbrochene Elemente und Strukturen (Durchblicke etc.), licht – und schattig; also recht grafisch.
Betonte Langsamkeit!

Schattentheater

Inselhafte Gruppierungen nach Aspekten (Charakter); bzw. jeweils einzelne Aspekte/Charakteristika durch die Zusammenstellung forcieren = assoziieren.
In sich relativ geschlossene Situationen und die Gesamtstimmung einander überlagern lassen: symphonisches Prinzip – natürlich auch auf klanglicher Ebene:

Kleines/Intimes: Vogel in einer Hecke; ein Gespräch zweier Leute; das Kramen in der Tasche einer einzelnen Person: essen, trinken, eincremen, Landkarte/Stadtplan o. ä. aus- und einfalten. Großes/Allgemeines: Verkehrslärm; Flugzeuge, die immer wieder vorbeifliegen; Baustelle in einiger Entfernung; eine Gruppe Männer, die sich lautstark unterhält oder streitet …

SZENERIE III – SELTSAME SCHLEIFEN

(getting) lost with Alice
no context without context
Endlose Schleifen – und abrupte Konter.
Kommunizierede Röhren – und dann ein Loch.
geschlossene Kurven: Epizykloiden
Zirkulation
Flipside
Day-for-Night
Inversion – unendlich starke Krümmung
Knoten und Kanten
Endomorphismen
codomain, target set
digitales Gestrüpp
ewige Wiederkunft?
„Die Mitte ist überall. Krumm ist der Pfad der Ewigkeit.“ (F. Nietzsche: Zarathustra.) „unersättlich da capo“
Zyklizismus
poincaréscher Wiederkehrsatz
Wiederholungszwang – schon wieder
Déjà-vu
joy of repetition
Rekursion, rekursive Definition
Rollback
short-circuit
solipsistische Falle
reboot
breaking/broken routines
Schleichwege vs. short cuts
Graben, graben, und dann durch das Labyrinth irren, das man selbst gegraben hat. Zuschreibungen und Projektionen: von … als … auf …

Musikclub an/aus​, ​Ritualbruch​, karikaturhafte Gestalten, ​Skulpturwerdung​, W​ ucherung​, ​Stolpern​,Transformation​;

Echo, Fraktal, Loop, Mise en abyme, Selbstreferentialität; Webfehler, ​Prozeßüberlagerungen​, dynamic recompilation; gebrochene Perspektiven, ​Spiegelkabinett
Schlingen, Verhedderungen, Undurchdringlichkeiten, extreme Krümmungen (Singularitäten)

Wiederholung von Momenten des Clubs / des Salons → Verschiebung, Drift, Mäandern, Umstülpungen ​im Wechsel mit​ Feedback, Gesprächsfetzen etc. rückwerfen → Rahmen und Gerahmtes durchdringen sich und verdrängen sich immer wieder gegenseitig Gesamtbewegung zu einer halbwegs homogenen Clubsituation

Möbel, Gitter, Gerüst (auf Rollen, Plattform schaffen),
Licht? Neon? Flutlicht? „Stecker ziehen“; Wechsel von Lichtsituationen (Club – Salon / innen – außen)

SZENERIE IV – GEOMETRISCHE BEGIERDEN

unersättlich da capo
da capo (senza fine) Wiederholungszwang – schon wieder Pathos der Einfachheit
Ernüchterung
Pro-Formen
Abspaltungen

the pattern which connects (Gregory Bateson; in: Wo Engel zögern.) „Ästhetik ist die Aufmerksamkeit für das Muster, das verbindet.“
Wiederholungen: wo Zwang und Ritus sich treffen („the joy of repetition“); Geometrie als Besessenheit: der Fetisch von Scheinreduktion, formaler Absicherung und vermeintlicher Unangreifbarkeit / Fraglosigkeit / Richtigkeit

Es geht also auch um einen kritischen (differenzierenden) Blick auf die Ambivalenz einer bestimmten Vorstellung von Abstraktion als Reduktion, in deren Rahmen sich die Geometrie in der Kunst breitgemacht hat: die Geometrie als Mittel der Befreiung von der eigenwilligen Hypertrophie historisch gewachsener Formen in der Kunst, Substrat einer Religion des Rationalen, trifft auf ihre Rolle als klischeedünnes Arkanum, entleerter und erstarrter Fetisch. Welches Potential liegt in ihrer eigenen Entgleisung durch Hypertrophierung?

Durchdringung von Mensch und Maschine: Anthropomorphisierung der Apparate und (prothetisches) Maschine-Werden des Menschen; aber auch: das Dämonische der Apparate – und im Muster; spectres: die Geister (Vorstellungen), die immer wiederkehren; Rasterungen; Moment der Öffnung: nicht-periodische Parkettierung (Penrose)
Figuren
Geometrie = Erd-, Landvermessung; idealisierte Einordnung, Verallgemeinerung, Gesetzlichkeit →entgleist in die Zwangsstörung; die Entgleisung in Form der Komplexierung durch Regelerweiterung (Bruch von Beschränkungen) ist der Ausgang aus der Starrheit
Begierden: etwas Eigenständiges, Eigenwilliges, das wir uns gegenüberzustellen und zu kontrollieren lernen (wollen oder müssen); Hang zur Überschreitung, Extension, Verbrennen; kurzsichtig aber langatmig

Formatierung des Raumes und des zeitlichen Ablaufes nach (geometrisch) ornamentalen Mustern, ihrer Verselbständigung und Eskalation; Geometrie – Wiederholung – Fraktal – Selbstähnlichkeiten ↔Wuchern
Geometrie-Revue? (Am ehesten wohl eine leicht düstere Parodie auf das triadische Ballett, Tendenz zum Fraktalen und Glitch-verseucht.)

SZENERIE V – KRITISCHE MANÖVER

no context without context
Bauen im Bestand!
Kein Kontext ohne Kontext: Bauen im Bestand!
hypothetisch leben
„Ich träumte von einer Expedition, ganz ohne Ausrüstung – und natürlich auch ohne Metaphern.“ Kosmetik und Hochstapelei
Wir als Litfaßsäulen
mundus inversus
topologische Umkehrungen
selbstinduzierter Schwindel
tox screening
„Sobald ich etwas für gewiß halte, befinde ich mich im Irrtum.“
Obszönität des Genießens
Spleens und Stenografie
Sideways on Gravel

Rasterung und Durchkreuzung, Programmierung und Zufall, Rituale, Ticks und Spleens, Kontrolle und Ungestüm, rebellisches Beharren, Entgleisungen; Synchronisation, Zirkulation, Oszillation; Kippelemente vs. Augleich; mundus inversus; Öffnung und Schließung – Denken und Handeln; Zwang zur Identifikation und ihre Verweigerung; Deviation, Abberation, Alternative, die andere Möglichkeit, scene – obscene; Alias, Identitätsverweigerung, Maskenball, Kosmetik und Hochstapelei, ​Prothesen​, Rollenspiele, Autopoiesis → Schablonen und ihre Sprengung; technical hiccup (glitch); Dysphorie; imaginäre Maschinen

Wagnis: „Warum eigentlich nicht?“ – die andere Möglichkeit (hypothetisch leben) – der komplexe Grad / der dritte Term. Was wir werden müssen: „edle V e r r ä t h e r aller Dinge, die überhaupt verrathen werden können“.
Schleichwege vs. short cuts

Krisis = Entscheidung, Zuspitzung (Beurteilung, Meinung) → Wendepunkt, -situation „Dysphorie: das Empfinden, daß die Dinge nicht da sind, wo sie hingehören“ R. Barthes: Das Neutrum. S. 279)
der komplexe Grad / der dritte Term (Barthes: Das Neutrum. S. 317.)

vs. der dritte Zustand (Nietzsche: Menschliches, Allzumenschliches. S. 346) vs. der dritte Ort

(Ray Oldenburg) „Chaos ist keine Katastrophe“

Intransparenz pflegen, Masken tragen

ALLGEMEINE ÜBERLEGUNGEN

„das Wirkliche ist unzusammenhängend“ „Von nichts sehe ich das Ganze.“
Gödel
zersprungenes Glas / zersplitterte Details „Ich habe keine Lösung“

Sphinx / Sphingen
„Man macht, was man braucht, mit dem, was man hat.“ „Uns könnte nicht einmal Shep Gordon helfen.“

open field
Das Open-field-Problem (siehe R. Barthes: „Das Neutrum.“, S. 243): Angst im undifferenzierten Raum. Die enge Verwandtschaft von Künstler und Maus: „Minderung der Angst bei quadratischer Begrenzung“.
Gummitwist (als gesellschaftlicher Modus)
der dritte Zustand („welcher sich zum Spiel verhält, wie Schweben zum Tanzen, wie Tanzen zum Gehen“)
Drift
Verschiebung
Abspaltung
Man steht an der Schwelle
den Stereotypen entkommt man nicht, es zählt allein die Zusammenstellung der Elemente
Der Makel der Willkür
kein eindeutiger Befund
Intransparenz pflegen, Masken tragen

Sprich metonymisch oder metaphorisch, aber sag nicht: „quasi“.

loitering (and prowling) … welcome! Dilettanti (Society)

Rollenspiele

Ausstellungsprojekte von durchaus unterschiedlichem Charakter realisieren, indem man (diverse Kooperationen) in verschiedene kuratorische Rollen schlüpft, die, ohne Reibungen oder gar Widersprüche untereinander zu scheuen, jeweils die Zuspitzung ihrer formalen und thematischen Interessen oder Präferenzen erlauben.

Der Trickster läßt sich nicht festlegen, er weicht beständig aus, macht Sprünge. Er kann in unteschiedlicher Gestalt erscheinen. Wodurch ist er eigentlich noch ein konsistentes Wesen? Was verleiht seinem polyphrenen Figurenspiel überhaupt so viel Kontinuität, daß er der Trickster ist?

Was hält dann die einzelnen Gestalten noch zusammen? Handelt es sich schlließlich nur um voneinander unabhängige, losgelöste Masken oder verbindet sie atmosphärisch und haltungsmäßig doch noch etwas? (Fleisch.)
[Wäre analog auch eine künstlerische Spaltung oder Vervielfältigung denkbar oder sogar möglich?]

Keine Propositionen, keine Dramen, eher Szenen wie Landschaften und Stilleben.